Erfahrungsberichte

Mein Dienst: Botschafter im Gefängnis

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Als wir in Deutschland (in unserer Vorbereitung) hörten, dass es in Arua eine Aufgabe sein würde in Gefängnisse zu gehen und dort zu predigen, waren wir uns noch nicht sicher, wie gut wir diese Aufgabe meistern könnten, bzw. wie das genau aussehen würde.

Die Botschaft in jedes Haus – aber was ist mit denen, die gar kein Haus haben, die nicht "zu Hause" leben? Was bedeutet 'zuhause'? Ist es der Ort, an dem ich aufgewachsen bin, ein Ort, an dem ich mich wohl fühle, an dem ich gerne bin, wo meine Familie ist, ich esse, schlafe, lebe?

Bei unserer Arbeit in Uganda begegneten wir Menschen, die nur schwer eine Antwort auf diese zentralen Fragen finden werden. Wir sprechen bzw. schreiben hier von den Menschen, die im Gefängnis sind. Und für manch einen ist das Gefängnis vielleicht zum neuen zwischenzeitlichen Zuhause geworden.

Sie sind aus unterschiedlichen Gründen dort, oft wissen wir nicht warum. Manche sind länger hier, manche kürzer. Manche bereits verurteilt, viele warten aber noch auf das Verfahren. Als wir in Deutschland (in unserer Vorbereitung) hörten, dass es in Arua eine Aufgabe sein würde in Gefängnisse zu gehen und dort zu predigen, waren wir uns noch nicht sicher, wie gut wir diese Aufgabe meistern könnten, bzw. wie das genau aussehen würde. Mittlerweile ist gerade dieser Teil unserer Arbeit uns sehr wichtig geworden. Die Menschen, die wir Woche für Woche in den drei Gefängnissen in Arua und Giligili besuchen, sind uns sehr ans Herz gewachsen. Wir sind froh über die Möglichkeit so einfach ins Gefängnis  gehen und die Botschaft auch in dieses Haus bringen zu können. Nicht immer sind solch gute Beziehungen und offene Türen selbstverständlich.

Ein Besuch dort läuft ungefähr folgendermaßen ab: Zuerst gibt es eine Zeit zum gemeinsamen Singen. Dieser Lobpreis beeindruckt uns nach wie vor immer wieder. Die Freude ist spürbar, und angesichts der Umstände, in denen sich die Gefangenen befinden oder der Gedanken, die sie sonst beschäftigen, ist ihr Enthusiasmus umso überwältigender. Hier wird Gott wirklich gepriesen, mit allem, was geht. Es wird gesungen, getrommelt und getanzt, bis der Schweiß fließt! Nun kommt unser Part. Das Halten der Andacht (auf Englisch mit Übersetzung in 1-3 Stammessprachen). Wir thematisieren biblische Geschichten oder Bücher und versuchen den Gefangenen Gott und Jesus so näher zu bringen. Wir hoffen und beten, dass sie ihn immer besser verstehen, dass sie sich bei Gott geborgen fühlen und ihn auch in ihren Leben wirken sehen. Für manche sind diese Andachten im Gefängnis der erste oder intensivere Kontakt mit dem Wort Gottes, und natürlich freut es uns dann besonders zu hören, wenn ein Gefangener sagt, er sei durch Gott nun freier als vorher außerhalb des Gefängnisses. Wir beenden unseren Besuch mit Gebet. Im Frauengefängnis und im kleineren Männergefängnis (in Giligili) ist auch ein Austausch über Gebetsanliegen möglich. Mit den Worten "bis nächste Woche" verabschieden wir uns.

Wir sind dankbar für die Möglichkeit, in die Gefängnisse zu gehen und wir merken, wie auch wir jedes Mal wieder beschenkt und gesegnet durch diese Gemeinschaft zurück zur Station gehen. Und wir hoffen, dass Gott durch uns zu ihnen spricht, dass das Wort in ihnen weiter wächst, dass ihre Beziehung zu Gott immer enger und intensiver wird und dass sie, auch wenn sie wieder in ihre (alten) Zuhause zurückkehren, ihren Glauben dorthin mitnehmen.

Ehepaar Lange Arua/Uganda

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