Aus dem Leben von Vic Paul

Victor Jonathan Paul wurde als Sohn einer amerikanischen Missionarsfamilie am 21.01.1931 in Aba/Kongo (früher Zaire) geboren. Seine Schulzeit verlebte er im Internat der Afrika Inland Mission in Rethy/Kongo. Zusammen mit seiner Familie verließ er 1946 Afrika und graduierte an der Wheaton Academy in USA. Dort absolvierte er auch sein Ingenieurstudium. Mit dem Medizinischen Corps kam er als Soldat der US Armee von 1954 bis 1956 nach Wiesbaden. So lernte er Deutschland und die deutsche Sprache kennen.

 

1959 besuchte Vic  das Philadelphia Bible College. 1962 ging er nach Oicha in den Kongo, um dort im Krankenhaus von  Dr. Becker, einem bekannten Missionsarzt, zu arbeiten. Er reparierte die medizinischen Ausrüstungen und nahm an evangelistischen Einsätzen teil. Als Nachfolger seines Vaters übernahm er nach dessen Tod ein schweres Erbe. Vic selbst erzählte, dass er durch Älteste der Gemeinde seines Vaters eines Tages während des Gottesdienstes nach vorne gerufen wurde. Dort wurde er dann gesegnet und in die Evangelisationsarbeit eingeführt, die sein Vater im Kongo begonnen hatte. Vic wollte eigentlich nicht eine solche Aufgabe übernehmen und dachte bei sich, dass Gott ja auch viele Gebete nicht erhört. So hoffte er, dass Gott ihn einen anderen Weg führen würde. Aber er wurde zum Pionier der mobilen Evangelisation in Ost- und Zentralafrika.

 

In Deutschland traf Vic auf Horst Kommerau und Wilfried Weber, die zusammen mit ihm am Starnberger See einen Unimog umbauten und ihn dann am 21.11.1972 in einer 30-tägigen Transafrika-Fahrt in den Kongo brachte, um dort zusammen mit den Christen der kongolesischen  Kirche zu evangelisieren. Das war die Geburtsstunde einer aufsehenerregenden Missionstätigkeit. In den darauf folgenden Jahren wurden 18 LKW über die Sahara ins Einsatzgebiet gefahren. 1978 wurde, ein Jahr vor der letzten abenteuerlichen Reise, das Missionswerk DIGUNA e.V. gegründet. Vic’s Schwerpunkt der Arbeit lag in der mobilen Evangelisation, jetzt auch in Kenia. Viele Teams sind mit Lastwagen in entlegene Gebiete bis in den Norden Kenias und in den Südsudan vorgestoßen und haben das Evangelium verkündigt.

 

1981 konnte durch Vic‘s Kontakte im Kongo eine Station am Lake Mobutu in Bogoro gegründet werden. Weitere kamen hinzu. Besonders wichtig wurden Vic die Kinder Afrikas, die vernachlässigt lebten oder als Waisen- oder Straßenkinder schlechte Zukunftsaussichten hatten. So hat Vic dann die Vereinsmitglieder des DIGUNA e. V. überzeugen können, dass ein Kinderheim in Westkenia entstehen sollte. In Tinderet und später in Ngechek wurde die diakonische Arbeit des Missionswerks konsequent entsprechend seiner Vision gegründet. 

 

Sein Vater Austin hatte schon dafür gesorgt, dass Blasinstrumente für die Evangelisationen im Kongo eingesetzt wurden. Vic selber übernahm diese Methode und versuchte in Deutschland Instrumente aufzutreiben oder zu kaufen.

 

Er war ein Diener, und auch als Leiter verstand er seine Aufgabe auf biblischem Hintergrund, ganz in der Nachfolge Jesu. „Wer euer Leiter sein will, sei euer Diener“. Das hat Vic in beispielhafter Weise praktiziert und den jungen Leitern ins Stammbuch geschrieben.  Er lebte vom Taschengeld und verbrauchte kaum etwas für sich. Luxus war ihm gleichgültig. Seine Kleider bezog er aus der Kleiderkammer der Mission. Jahrelang war er der „Einkäufer“ für Baumaterial und anderes. Er kannte jedes Geschäft in der Metropole Nairobi und wusste, wo es die billigsten Nägel zu kaufen gab, auch wenn man dafür etliche Kilometer fahren musste. Seine Sparsamkeit ließ ihn scharf rechnen. Er achtete darauf, dass die laufenden Kosten nicht zu hoch wurden, und Investitionen durften nur dann zur Vergrößerung der Arbeit führen, wenn die Kosten gedeckt waren. Deswegen war es so günstig, Wasserkraft in der Nähe der Stationen Mbagathi, Tinderet, Ngechek zu nutzen.

 

Durch Vic’s Leben zieht sich eine Spur des Glaubens! Ohne Übertreibung kann man sagen, dass er mit Weitblick und Mut seine Pläne verfolgte. Aber mehr noch war ihm wichtig, dass Gott selber seine Bestätigung gibt. „Wenn wir den ersten Schritt tun, wird Gott den zweiten tun!“ So forderte er durch sein Leben und seinen Glauben zur Hingabe an Jesus Christus auf. Gott hat ihn gebraucht, dass unzählige Menschen zu Jesus fanden. Wie viele es sind weiß nur Gott! Aber es sind viele!

 

Durch seine großen körperlichen Probleme, obwohl er immer auf seine Fitness geachtet hat, musste er Afrika endgültig im März 2008 verlassen, um über Haiger den Weg nach Florida anzutreten. Dort wurde er von seiner Schwester und Schwager liebevoll gepflegt. Aber es wurde nicht besser. Am 22. Juli 2009 holte Gott ihn in die Herrlichkeit. Wilfried und Ursel Weber, mit denen Vic seit 1972 zusammen gearbeitet hat, kamen rechtzeitig, um sich von ihm zu verabschieden.

 

Wir danken Gott dem Allmächtigen für die Zeit, die wir zusammen mit Vic verbringen durften.